Mittwoch, Mai 26, 2010

"100 Würstchn" oder "Was ist Flattr?"

Achtung, bevor Sie mit der Lektüre des folgenden Textes beginnen, sollten Sie eine Person in Ihrer unmittelbaren Umgebung darum bitten, für die Dauer Ihrer Leseaktivität das Lied aus der "Sendung mit der Maus" zu pfeifen. Es geht zwar auch ohne, aber mit Musik ist es lustiger. :-)

Das da ist der Herr Müller. Der Herr Müller hat heute von seinem Chef seine Gehaltabrechnung bekommen, denn es ist der 1 des Monats. Darüber freut der Herr Müller sich. Und weil er sich so dolle freut, will er ein Grillfest mit all seinen Freunden veranstalten. Deshalb geht er in die Metzgerei und kauft 100 Brutzelfritze-Würstchen.

Als er aber aus der Metzgerei rauskommt, fängt es an zu regnen und laut Wettervorhersage soll es erst am 31 des Monats wieder aufhören zu regnen. Das findet der Herr Müller zwar erst doof, aber dann friert er die Würstchen in seiner Tiefkühltruhe ein und denkt sich: "Fein, dann kann ich ja jetzt erstmal den ganzen Monat überlegen, wenn ich so zu meinem Grillfest einlade."

Seinen Nachbarn Franz muss er auf jeden Fall einladen, denn der Franz hat mal mitbekommen wie der Herr Müller einen alten kaputten Kühlschrank im Wald entsorgt hat und wenn er den Franz nicht einlädt, verpfeift der ihn sicher beim Umweltamt. Zum jetzigen Stand hätte der Herr Müller also einen Gast, der beim Grillfest am Ende des Monats 100 Würstchen essen dürfte.

Einen Tag später fällt dem Herrn Müller aber auch noch sein bester Freund Hubert ein, mit dem er jeden Dienstag im "Wilden Eber" 3 Biere zischt. Der muss auf jeden Fall auch kommen. Nun hat Herr Müller schon 2 Gäste. Am Tag der Feier bekäme jeder 50 Würstchen.

Und so vergeht der Monat. Immer mehr und mehr Leute trifft der Herr Müller und lädt sie auch auch ein. 49 Leute hat er schliesslich zusammen und als er am Tag des Grillfestes die Würstchen aus dem Tiefkühlfach holt, fragt seine Frau beleidigt, ob sie denn wohl auch was bekäme. "Wenns denn sein muss", knurrt da der Herr Müller und schwupps ... hat er 50 Gäste. Und am Abend des Grillfestes bekommt jeder 2 Würstchen.

Und genau so funktioniert Flatter. Flattr ist ein neuer Service im Netz, mit dem man Bloggern, Podcastern und andere kreativen Web 2.0 Leute einen kleinen Geldbetrag zukommen lassen kann. Wer beispielsweise mich zu seiner "Grillparty" einladen möchte, der meldet sich zuerst bei Flattr an, lädt dort sein Konto auf und klickt dann beispielsweise auf den Flattr-Button am Ende dieses Artikels. Mit diesem ersten Klick bekäme ich den kompletten Betrag, den ihr dort auf euer Konto eingezahlt habt. Sobald ihr aber den Button eines anderen Flattrnutzers klickt, teilt sich der Betrag durch 2, beim nächsten durch 3 und so weiter. Eben genau so wie in der Würstchengeschichte.

Spannend wird es dann am Ende des Monats. Während der Flattr-Spender lediglich seinen selbstbestimmten festen Betrag als Kostenfaktor hat, bestimmt sich für den Empfänger der Spenden die Summe der Einnahmen aus 3 Faktoren. Wie viele Spendenwillige klickten auf die Buttons, wie hoch war der gesetzte Betrag des jeweiligen Spenders und wie viele Flattrnutzer hat er insgesamt damit beglückt? Im besten Fall (um wieder die Würstchen mit reinzubringen) bekomme ich also 100 Würstchen auf einer Grillparty, weil ich dort der einzige Gast bin. Zum Ausgleich liegt auf der nächsten Party aber nur ein armseeliger Wurstzipfel auf meinem Teller, weil der Gastgeber die ganze Strasse eingeladen hat.

So richtig Sinn machts eigentlich nur dann, wenn möglichst viele mitmachen. Da sich das Flattr-Projekt noch in der Betaphase befindet, werden zur Anmeldung Invite-Codes benötigt. Ein paar habe ich hiervon noch auf Lager. Wer also Interesse hat, auch eine Grillparty zu geben, der kann sich bei mir melden. Achja, der Mausliedpfeifer kann dann jetzt auch aufhören. :-)

Und so schaut übrigens ein Flattr-Button aus.