Donnerstag, September 24, 2009

Knick in der Optik

Dies ist wieder einer jener Augenblicke, wo der Dübel sich in seinen Schaukelstuhl fallen lässt, sich eine Decke über die Füsse legt, eine Tasse Kaffee reichen lässt und über frühere Zeiten sinniert.

Ihr jungen Leute heutzutage rennt ins Kino, setzt Euch da irgendwelche Brillen auf und schaut 3D-Filme wie Final Destination 4 oder Ice Age 3. Was ich dazu sage? "Paaah", sage ich. Früher, da brauchten wir nämlich keine Brillen. Wir konnten 3D gucken ohne irgendwelche Hilfsmittel. (Ich bitte darum, die Sinnlosigkeit dieses Satzes zu missachten. Er dient lediglich der Dramatisierung.)

Wir hatten >Das magische Auge<. Dabei handelte es sich um eine Buchreihe in der nichts weiter zu sehen war, als Stereogramme, wie jenes hier.

Bitte auf das Bild klicken für eine vergrösserte Ansicht.

Irgendwann Mitte der 90er rannten wir alle mit schielendem Blick durch die Weltgeschichte und sahen in diesen verschwommenen Mustern, die aussahen wie Omas Tapete vor 30 Jahren, die tollsten Sachen. Das war meistens nichts weltbewegendes. Ein Fisch vielleicht, oder eine Trompete, aber eigentlich war es auch gar nicht so toll, was man da sah. Viel interessanter war der Aha-Effekt, wenn man plötzlich den Durchblick hatte und sich der Schleier vor den Augen lüftete. Unwissende Muggel, die den starren Blick auf diese Stereogramme nicht beherschten, winkten das ganze schnell als Nonsens ab, aber der Hype war nicht aufzuhalten. Mehr und mehr Bücher überschwemmten den Markt. Ich kann mich noch daran erinnern, daß es im Buchladen um die Ecke einen riesigen Tisch mit Stereogramm-Büchern gab.

Und heute? So wie der Zauberwürfel für die 80´er steht, ist das Stereogramm für mich typisch 90´er. Und ich frage mich, ob die Generation der 00´er den Durchblick hat. ;-)