Sonntag, Dezember 24, 2006

"Hokus Pokus" oder "Fröhliche Weihnachten"

Es mag nun 20 bis 25 Jahre her sein, als mich die Faszination an der Zauberei packte. Ob es nun daran lag, dass ich gerne mal ein Kaninchen aus einem Hut ziehen wollte, oder ich meine Klassenlehrerin zersägen wollte, ist mir nicht mehr bekannt. Die Erfüllung meines neu geschaffenen Berufswunsches, also Zauberer, schien leicht erfüllbar zu sein. Schliesslich war er mit einer einzigen Bestellung aus dem damals überall im Verwandtenkreis kursierenden Quelle-Katalog zu erledigen und die entsprechende Stelle im Katalog hatte ich längst mit Eselsohren gekennzeichnet. Ein Zauberkasten mit 100 tollen Tricks sollte es sein.

Zur damaligen Zeit hätte ich nicht im entferntesten daran gedacht, dass in späteren Jahren ein Zauberer namens David Copperfield mit seinen Zaubereien ein Top-Modell namens Claudia Schiffer problemlos abschleppen konnte und somit waren meine Beweggründe für meine Zaubererambitionen absolut ehrenwerter Natur.

Die nächste Gelegenheit um also an den besagten Zauberkasten zu kommen, war Weihnachten. Auch wenn zu damaligen Zeiten die Werbemethoden grosser Firmen noch längst nicht so penetrant waren, wie es uns heute bekannt ist, so waren mir die Grundvoraussetzungen für erfolgreiches Marketing doch nicht völlig unbekannt und ich begann emsig, die Werbetrommel im Verwandtenkreis zu rühren.

Und ich hatte Erfolg. Am Heiligabend fand ich den sehnlichst gewünschten Zauberkasten unter dem Weihnachtsbaum und begann sofort mit dem einstudieren diverser Tricks. Leider war der Trick mit der zersägten Frau nicht dabei. Auch die Nummer mit dem lebenden Kaninchen wurde durch den durch recht dürftigen Ersatz der im Kasten enthaltenen Mini-Schaumstoffhasen ein wenig geschmälert. Dennoch freute ich mich wie ein Schneekönig, denn ich war nun ein Zauberer.

Am 1. Weihnachtsfeiertag kam dann die nächste Überraschung. Bei meinen Grosseltern väterlicherseits erhält ich als Weihnachtsgeschenk dann Zauberkasten Nr.2. Zu dumm, dass es sich dabei um den genau gleichen Kasten handelte. Lediglich das Bild auf der Schachtel war ein anderes.

Einen Tag später, dem 2. Weihnachtsfeiertag, bekam ich dann, Oh Überraschung, den dritten Zauberkasten von Oma und Opa mütterlicherseits. Wieder genau der gleiche Kasten mit genau den 100 gleichen, tollen Tricks.

Tja, trotz der vielen Zauberkästen bin ich heute kein Harry Potter geworden, aber im Gegensatz zu David Copperfield, der seine Claudia ja wieder in den Wind geschossen hat, bin ich glücklich verheiratet. Am Zauberkasten kann es also nicht gelegen haben. Ausserdem hat das doch etwas verwirrende Szenario jenes Weihnachtsfestes damals auch dazu geführt, dass unter Eltern, Omas, Opas, Tanten und Onkels von nun an vorab immer sehr genaue Absprachen über die Geschenkeverteilung gehalten wurden.

Ich wünsche allen Lesern und Hörern von „Dübels Geistesblitz“ ein ruhiges und streßfreies Weihnachtsfest und mindestens so viel Freude an Weihnachten, wie ich sie damals mit meinen Zauberkästen hatte.